Kodokan Judo

Die japanische Kampfsportart JUDO

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Die japanische Kampfsportart JUDO

Geschichte des Judos

Jiu-Jitsu: der Urahne des Judos

Jiu-Jitsu (sanfte Kunst) ist der Urahne des Judos (sanfter Weg). Die Entstehung des Judos ist bekannt, über die Entstehung des Jiu-Jitsu ist man sich allerdings nicht einig. Man geht jedoch von verschiedenen Legenden aus.

Legenden über das Siegen durch Nachgeben: Die wahrscheinlichste Legende stammt aus dem 17. Jahrhundert. Diese erzählt von der Ritterkaste der Samurai (die Kaste der Daymios), die gegen die Gesetze ihres Kaisers verstieß und daraufhin mit einem Waffenverbot bestraft wurde. Zur selben Zeit soll ein Arzt aus Nagasaki von China nach Japan zurückgekehrt sein und festgestellt haben, dass zur Ausführung des waffenlosen Nahkampfes, den er dort bei einem Nahkampflehrer (Haku-tei) erlernt hatte, eine ziemlich große Körperkraft erforderlich sei. An einem Wintertag allerdings beobachtete er, wie die Äste eines Kirschbaumes unter der Last des Schnees wie Streichhölzer abbrachen, während die Zweige einer Weide biegsam nachgaben, und somit dem Schnee keine Angriffsfläche boten. Darauf hin soll der Arzt ein System entwickelt haben, bei dem auch Schwache „durch Nachgeben“ siegen können. Sofort gründete er die Schule Yoshin-Ryu (Weidenschule), in der auch die Samurais unterrichtet wurden, welche die dort erlernten Griffe ausbauten und perfektionierten, so dass man daraus das heutige Jiu-Jitsu entnehmen könnte1.

Eine andere Legende berichtet von einem kleinen Chinesenjungen mit dem Namen Li-tei-feng, der bei einem großen Sturm voller Entsetzen beobachten musste, wie die dicksten Bäume entwurzelt wurden und die stärksten Äste abknickten. Nur ein kleines Bäumchen wurde verschont, weil es elastisch seinen Wipfel bis zur Erde niederbog, sich nach dem Sturm wieder aufrichtete und unbeschadet dastand. Hieraus soll das Prinzip „Siegen durch Nachgeben“ abgeleitet sein2.

Eine weitere Legende spricht von einem chinesischen Mönch, mit dem Namen Chin-gen-pin, der auf der Insel Hokkaido von Samurais aufgegriffen wurde, und nur dadurch überlebte, dass er sein Wissen über die waffenlose Kunst weitergab. Die Samurais erarbeiteten daraus das heutig Jiu-Jitsu. Dieser Legende wird jedoch nur wenig Glauben geschenkt3.

Als Ursprungsland des Jiu-Jitsu führen alle Legenden China an. Den Japanern kommt jedoch der Verdienst zu, es weiter entwickelt und perfektioniert zu haben. Zudem machten sie es in abgeänderter Form unter dem Namen Judo als sportlichen Zweikampf populär und verbreiteten es in der ganzen Welt4.

Es wird jedoch auch oft berichtet, dass das Jiu-Jitsu auf eine Massagekunst der Inder zurückgehe. Diese kannten schon in der Jüan-Dynastie (13. Jahrhundert) über einhundert schmerzempfindliche Stellen am menschlichen Körper, welche für den Zweikampf ohne Waffen ausgenutzt wurden und sich im heutigen Zweiggebiet des Judos, der Atemi-waza [vgl. Gliederungspunkt 7c], wiederspiegeln5.

Entstehung des Judos6

Japan war von 1600 bis 1853 von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten. Die Ankunft ausländischer Schiffe 1854 war Anstoß für den Zusammenbruch der feudalistischen Strukturen. Alles Fremde wurde nun verherrlicht und die eigene Kultur verachtet. Dies wurde mit Beginn der Meiji-Restauration (1868), bei der die Samurais entmachtet wurden, noch verstärkt. Dabei geriet auch die alte Kampfkunst Jiu-Jitsu in Vergessenheit.

Die Wiederentdeckung und Weiterentwicklung des Judos verdanken wir erstaunlicherweise einem Deutschen. Erwin von Bälz (1849-1913), geboren in Bietigheim/Württemberg, ging 1876 als Mediziner und Anthropologe an die kaiserliche Universität nach Tokio, wo er nach einiger Zeit sogar Leibarzt des Kaisers wurde. Noch heute gilt er als geistiger Initiator des Judos. Während seiner Lehrzeit (1876-1905) stellte er fest, dass der Gesundheits-zustand seiner Schüler sehr zu wünschen übrig ließ, was er vor allem auf die mangelnde sportliche Aktivität zurückführte

Dr. Erwin von Bälz (Abb. 1)

Als er den Jiu-Jitsu-Altmeister Totsuka bei einer Vorführung sah, war er so von dieser alten Kunst beeindruckt, dass er nebenbei selbst die alten japanischen Kampfsysteme erforschte und seinen Studenten anriet, diese Kampfkunst zu erlernen. Einer dieser Student war Jigoro Kano, der 1860 als Abkömmling eines armen Samurai-Clans in Mikage geboren wurde. Seine Familie übersiedelte 1871 nach Tokio, wo er eine Mittelschule besuchte und schließlich an der kaiserlichen Universität zu studieren begann. Der junge Kano, der gerade mal 18 Jahre alt war, was allerdings schon ein hohes Alter für die Trainingsaufnahme in irgendeiner Sportart ist, nahm die Anregung seines Professors mit Begeisterung auf und fand in Teinosuke Yagi einen nicht schlechten, aber doch nur mittelmäßigen Lehrmeister, der ihm die Grundlagen beibrachte. Kano, der keineswegs über ideale körperliche Vorraussetzungen verfügte, verstand es trotzdem in kürzester Zeit die schwierige Technik der Griffe und Würfe zu erlernen. Er gab sich mit seinem Könnensstand jedoch nicht zufrieden und suchte weiter nach neuen Lehrmeistern verschiedener Stile. Auf diese Weise wurde er von Fukada Hachinosuke und Iso Masatomo in das System Ten-shin-shinyo-ryu, in dem bevorzugt Schläge, Stöße und Tritte, sowie Verhebelungen der gegnerischen Glieder gelehrt werden, eingeweiht. Später lernte er von Ikubo Tsunetoshi auch das Kito-ryu-jiu-jitsu, welches sich auf das Ausweichen und Nachgeben, und schließlich das Ausheben und Niederwerfen des Gegners konzentriert. Kano fügte letztendlich die verschiedenen Systeme zu seinem eigenen System, dem Kano-Jitsu, zusammen. Zur Verbreitung dieses Systems gründete er 1882, also im Alter von 22 Jahren, im Eishoji-Schrein in Tokio eine eigene Übungsstätte (Dojo), dem Kodokan.

Jigoro Kano (Abb. 2)

Kodokan heißt soviel wie „der Weg des Kano“, womit er den Leitgedanken seines Systems „Siegen durch Nachgeben“ den Kämpfern auch im Privatleben nahe bringen wollte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dann das Kano-Jitsu zu einem Wettkampfsport, dem heutigen Judo. Der Unterschied liegt darin, dass er die auf den Ernstfall im Krieg gerichteten und entsprechend gefährlichen Elemente, wie z. B. die Atemi-waza (nur für den Sportlichen Wettkampf) entfernte und dafür erzieherische und persönlichkeitsbildende Elemente auf der Grundlage des Zen-Buddismus einführte. Damit war aber nur der Grundstein des Judos gelegt. Fünf Jahre lang musste das Kodokan um ihre allgemeine Anerkennung kämpfen. Besonders die alten Jiu-Jitsu-Schulen pochten auf ihr Recht und kritisierten das Kodokan öffentlich.

der Eishoji-Schrein (Abb. 3)

 Die Schule Ryoi-shinto-ryu und deren Leiter Totsuka Hikosuke waren besonders aufgebracht. Totsuka zog mehrmals in der Presse über das Kodokan her und provozierte Zusammenstösse seiner Anhänger mit den Schülern Kanos. Er war krampfhaft bemüht seinen Konkurrenten mit allen Mitteln zu diskreditieren. Eine Lösung dieses Konflikts bahnte sich im Jahre 1886 an, als der Leiter der kaiserlichen Polizeiverwaltung die Durchführung eines Entscheidungskampfes zwischen den beiden Schulen anordnete. Eine Niederlage des Kodokans hätte sicherlich zum Verbot des Judos geführt, da die Staatsgewalt entschlossen war, in das Erziehungssystem des Kempo (die Kunst des Kampfes) im Lande Ordnung zu bringen und als Norm eine einzige, besonders effektive Schule auszuwählen. In beiden Mannschaften standen jeweils 15 der besten Meister der beiden Schulen. In 13 Zweikämpfen errangen die Schüler Kanos den Sieg, nur zwei endeten unentschieden. Der glänzende Sieg des Kodokan über das alte Jiu-jitsu bestätigte allemal den Vorteil des Judos, in dem es die Untrennbarkeit von Theorie und Praxis bewies. Kurz darauf wurde Judo bei der Polizei und der Armee eingeführt. Einige Jahre später wurde es in das Programm der Mittel- und Oberschulen aufgenommen. Der technische Komplex des Judos war im Jahre 1887 fertig ausgearbeitet und ist in den letzten Jahrzehnten unverändert geblieben.

das Kodokan heute (Abb. 4)

Über die Theorie des Judos hat Kano seine Arbeit noch viele Jahre fortgesetzt. Nach Kano sollte das Judo gleichzeitig ein geistiges und körperliches Training sein, das Geist und Körper in einen Zustand von Harmonie und Ausgeglichenheit versetzt.

1911 gründete Kano, der sich wie kein anderer für die Verbreitung dieser Sportart auf der Welt einsetzte, den japanischen Amateursportverband und wurde sein Präsident. Von 1909 bis 1938 gehörte er dem Internationalen Olympischen Komitee (IOK) an. Kano starb 1938 auf der Rückreise vom IOK-Kongress, welcher in Kairo stattfand.

Erst nach dem Tode Kanos wurde Judo eine olympische Disziplin. Die Premiere der Männer fand 1964 in Tokio, die der Frauen 1992 in Barcelona statt. 1988 in Seoul war das Damenjudo nur ein Demonstrationswettbewerb.

Quelle: Auszüge Facharbeit Michael Dopfer / 2001